Tradition

Raumausstatter : Die Tradition

Zunft der Raumausstatter (Herkunft des Berufes, Entwicklung und Entstehung der Zunft)

Der Beruf des Raumausstatters basiert auf einer langen Geschichte und geht auf den französischen "Tapissier" (Tapezierer) zurück, der schon seit 1295 bekannt ist. Am Hof Ludwig XIV erlangte der Beruf erstmals große Bedeutung. Dort stattete er die Räume mit wertvollen Wandteppichen, Wandbespannungen und Stoffdrapierungen aus und stellte gepolsterte Sitz- und Liegemöbel her. Später verbreitete sich der Beruf und die Berufsbezeichnung auch an anderen europäischen Adelshöfen. Anfang des 18. Jahrhunderts tauchte der Beruf des Tapezierers das erste Mal in Deutschland auf. Während sich die Hauptgruppen des Handwerks schon im 13. Jahrhundert zunftmäßig formierten, bildete sich das Tapezierhandwerk erst verhältnismäßig spät heraus. Zunächst aber beanspruchten Riemer und Sattler die für bürgerliche Wohnungen bestimmten Möbel zu polstern. Erst 1703 traten die Tapezierer zusammen mit Riemern und Sattlern als Zunft auf. Die Tradition des Zunftwesens wird hochgehalten, auch wenn die Zunft ihren gesellschaftlichen und politischen Stand heutzutage eingebüßt hat. Früher hatten die Zünfte eine eigene Gerichtsbarkeit, waren in den Stadtparlamenten vertreten und waren für Meisterprüfungen und Lehrlingsausbildung zuständig. Sie kümmerten sich auch um unverschuldet in Not geratene Mitglieder. Meister und Gesellen waren durch die strengen, aber wohltätigen Bande der Innung oder Zunft untereinander verbunden, wodurch jeder in seiner ihm zuständigen Stellung geschützt und gehalten wurde. Das Ganze ruhte auf einer religiös-sittlichen Basis. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts bildete sich das Tapezierhandwerk, im Zusammenhang mit der Schaffung einer neuen Wohnkultur des Bürgertums, weiter aus. Wobei zu dieser Zeit noch eine starke Ähnlichkeit zu den höfischen Vorbildern herrschte. Ziel war es jedoch, bürgerliche Wohnräume einheitlich und behaglich zu gestalten. Daraus resultierten die Grundformen der modernen Polstermöbel und die Tapete, deren Name sich von der ursprünglichen Berufsbezeichnung der Raumausstatter ableitet und zur Gestaltung des Wohnraumes diente.

Im Jahre 1965 wurde mit Erneuerung der Handwerksordnung offiziell die Berufsbezeichnung des Raumausstatters eingeführt. Von Anfang an trugen die Raumausstatter maßgeblich zur Weiterentwicklung der Wohnkultur bei. Von der Gotik über Barock, Klassizismus, Jugendstil und Art Decó bis zur heutigen Zeit wird der Wunsch nach Neuem und Innovativem von ihnen umgesetzt. Im 19. Jahrhundert wurden Gilden und Zünfte durch Innungen ersetzt in welchen sich bis heute Händler, Handwerker und somit auch Raumausstatter organisieren.

Für Zunftmitglieder galt ein Ehrenkodex. Bei Verstößen gegen diesen Kodex, dem unzünftigem Verhalten, konnte man der Mitgliedschaft verlustig gehen. Als äußeres Zeichen des Ausschlusses wurde häufig ein zur Zunfttracht gehörender Ohrring aus dem Ohrläppchen, welcher eigentlich als Entgelt für den Bestatter diente, gerissen. Das hierdurch entstehende Schlitzohr wurde sprichwörtlich zur Bezeichnung für listige, durchtriebene Menschen.